Evolution - Evolutionshinweise - Rezente Hinweise

4.1.2 Homologien im Verhalten

Je entfernter zwei Lebewesen miteinander verwandt sind, desto größer sind die Unterschiede in ihrem Erbgut. Während sich Mensch und Schimpanse recht viele Gene teilen, gibt es nur wenige Gene, die sowohl bei dem Menschen wie auch bei einem Fadenwurm vorkommen. Der Grad der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft zwischen Organismen lässt sich heute mit modernen molekularbiologischen Methoden genau messen.
Wenn zwei Lebewesen eine hohe Übereinstimmung in ihren Genen zeigen, so enthalten ihre Zellen auch ähnliche Proteine und Enzyme. Die Enzyme wiederum sind verantwortlich für sehr viele Merkmale eines Individuums, für seinen Phänotyp.

Nicht nur äußere und innere Organe von zwei nah verwandten Lebewesen zeigen einen hohen Grad an Übereinstimmung, sondern auch viele Verhaltensweisen stimmen überein. Dies gilt vor allem für angeborenes Verhalten. Man spricht hier von Verhaltenshomologien. Beim Schimpansen beobachtet man zum Beispiel ein ähnliches Drohverhalten wie beim Menschen, auch das Beschwichtigungsverhalten gegenüber ranghöheren Individuen ist ähnlich. Bei Entenvögeln kann man ein ähnliches Balzverhalten erkennen, und bei vielen Spinnenarten gleicht sich das Verhalten beim Netzbau oder bei der Paarung. Eng verwandte Singvögel haben ähnliche Singmuster, wie man mit Hilfe von Sonogrammen nachgewiesen hat. Allerdings gibt es auch ähnliche Verhaltensweisen bei nicht näher verwandten Tieren, die auf ähnliche Umweltbedingungen zurückzuführen sind und somit als Verhaltensanalogie bezeichnet werden müssen.





Ulrich Helmich, Februar 2005

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