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Die Reaktionsnorm beschreibt das Verhältnis zwischen Genotyp, Phänotyp und Umwelt. Als wir im Unterricht in das Thema "Ökologie" eingestiegen sind, haben Sie verschiedene Toleranzkurven kennengelernt. Die Lage von Minimum, Maximum und Optimum charakterisieren eine solche Toleranzkurve, man bezeichnet diese Punkte auch als "Kardinalpunkte" der Toleranzkurve. Ob ein Individuum nun aber eine Vorzugstemperatur von 17°C oder eine von 25°C hat, hängt wieder von der genetischen Ausstattung des Tiers ab - von seinem Genotyp, und eventuell auch von Umweltfaktoren, die auf das Individuum längere Zeit eingewirkt haben. Beispiel 1 |
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Betrachten wir dazu die obige Graphik. Dargestellt wird die Anzahl der Facetten in den Komplexaugen von Drosophila-Individuen in Abhängigkeit von der Temperatur. Nicht mutierte Fliegen (Wildtyp) haben bei einer Temperatur von 15°C ca. 1000 Facetten, bei einer Temperatur von 30°C aber nur 750 bis 800 Facetten. Je wärmer es also ist, aus desto weniger Einzelaugen bestehen die Komplexaugen der Insekten. Hier sieht man direkt den Einfluss eines isolierten Umweltfaktors auf ein isoliertes physiologische Merkmal der Tiere. Beispiel 2 |
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Betrachten wir ein zweites Beispiel, diesmal aus der Pflanzenwelt. Ist Genetik einfach?So einfach, wie es in Schulbüchern immer dargestellt wird (weiße Pflanzen und rote Pflanzen ergeben rote Pflanzen, also haben wir Dominanz, oder es entstehen rosa Pflanzen, dann haben wir einen intermediären Erbgang etc.) ist die Genetik in Wirklichkeit nicht. Es ist schon sehr schwer, von einem gegebenen Phänotyp auf einen möglichen Genotyp zu schließen, umgekehrt kann man aus einem gegebenen Genotypen in der Regel nicht auf den Phänotypen schließen, weil dieser auch stark von Umweltfaktoren und Entwicklungsschwankungen abhängt. Unter Entwicklungsschwankungen versteht man die stets auftretenden, nicht von der Umwelt abhängigen, zufälligen Ereignisse in der Entwicklung eines Organismus, die seinen Phänotypen ebenfalls beeinflussen. EpigenetikIn den letzten Jahren hat sich ein neues Teilgebiet der Genetik aufgetan, die Epigenetik. Unter diesem Begriff versteht man den Einfluss der Umwelt auf die Aktivität bestimmter Gene. Bereits seit langem weiß man, dass die Umwelt einen starken Einfluss auf die Art und Weise hat, wie sich Gene auf den Phänotyp ausprägen (siehe die beiden Beispiele oben). Neuere Studien zeigen nun aber, dass die Umwelt weit stärker als bisher gedacht in das genetische Geschehen eingreift. Durch Umweltfaktoren können offensichtlich bestimmte Gene aktiviert oder deaktiviert werden, und zwar dauerhaft. Die chemischen Mechanismen, die diesem Phänomen zugrunde liegen, sind noch nicht so ganz klar - man vermutet, dass die Methylierung der DNA hier eine große Rolle spielt. Wichtiger jedoch ist die Tatsache, dass solche umweltbedingten Aktivitätsmuster auf die nachfolgende Generation vererbt werden können. Ernährt sich eine Frau ihr Leben lang gesund, so führt das nicht nur zu einem gesunden Körper, sondern auch ihre Gene sind in einem "gesunden" Zustand: Bestimmte Gene sind stärker methyliert als üblich und damit inaktiv, andere Gene wiederum sind weniger methyliert und damit aktiver. Auch die Erbsubstanz in den Eizellen trägt dieses Muster, und ihre Kinder erben dann dieses Aktivitätsmuster. Wissenschaftliche Studien belegen eine solche Art von Epigenetik, also quasi Vererbung in einem übergeordnetem Sinn. Ein großer Artikel zu diesem Thema ist kürzlich im Spiegel erschienen (Heft 32/2010). Hier der Link zum Artikel. Aus verschiedenen Quellen zusammengestellt und überarbeitet von Ulrich Helmich im September 2010. |
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