|
Nachdem bekannt war, dass die Chromosomen für die Übertragung der Erbinformation verantwortlich sind, untersuchte man ihren chemischen Aufbau. Man fand schnell heraus, dass Chromosomen aus Proteinen und Nukleinsäuren bestehen. Aber welche dieser beiden Stoffe war der Träger der Erbinformation? Proteine oder Nukleinsäuren?
Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sprach vieles für die Proteine als Träger der Erbinformation. Man hatte entdeckt, dass Proteine lange Makromoleküle aus 20 verschiedenen Aminosäuren sind. Eine Erbinformation könnte nun dadurch zustande kommen, dass die Aminosäuren in einer ganz bestimmten Reihenfolge angeordnet sind. Auch die 26 Buchstaben des Alphabets können - in eine bestimmte Reihenfolge gebracht - einen ganzen Roman erzeugen. Oswald AVERY und seine Kollegen konnten 1944 jedoch nachweisen, dass nicht Proteine, sondern Nukleinsäuren die Träger der Erbinformation sind. Die Grundlage für diesen Versuch hatte der englische Arztes GRIFFITH schon 1928 gelegt. Daher wollen wir uns zunächst einmal mit den Versuchen von GRIFFITH beschäftigen und kommen später wieder auf AVERY zurück. |
Beachten Sie auch meine Folien zur Biologie, die ich gern an interessierte Kollegen abgebe. |
Der GRIFFITH-VersuchDer englische Arzt Frederick GRIFFITH beschäftigte sich 1928 mit den Ursachen der Lungenentzündung, die vor der Erfindung der Antibiotika viele Tausend Todesopfer im Jahr forderte. Die Lungenentzündung wird durch ein kugelförmiges Bakterium mit dem Namen Streptococcus pneumoniae hervorgerufen. Streptococcus pneumoniae, das Foto ist ein amerikanisches public domain-Bild (siehe Wikipedia). |
Externe Links:
Streptokokken (Wikipedia) Streptococcus (Lexikon der Biologie, nur für Abonnenten). |
|
Als man diese Bakterien unter dem Mikroskop betrachtete, erkannte man zwei verschiedene Typen. Einer dieser Typen bildete eine Schleimhülle aus, die die eigentliche Bakterienzelle wie einen Mantel umgab. Man nannte diesen Typ daraufhin S-Typ. Der andere Typ hatte dagegen keine Schleimhülle, im Vergleich zum S-Typ erschien er eher rau, daher nannte man diesen Typ R-Typ. Jetzt wollte GRIFFITH herausfinden, wie virulent (gefährlich) die beiden Typen sind. Also injizierte er Lösungen mit den beiden Bakteriensorten in Labormäuse. Versuch 1: Versuch 2: Zwischenergebnis: Versuch 3: Zwischenergebnis: Versuch 4: Das Ergebnis war sehr überraschend: Alle Mäuse starben. Aber nicht nur das, aus dem Blut der toten Mäuse konnten lebende S-Typ-Bakterien isoliert werden. Endergebnis: |
|
Der AVERY-VersuchAVERY nahm an, dass der letale Faktor der S-Typ-Zellen nichts anderes als eine Art Erbinformation ist. Durch Aufnahme dieser Erbinformation werden aus R-Zellen plötzlich S-Zellen. Durch eine leichte Abwandlung des vierten GRIFFITH-Versuchs konnte AVERY herausbekommen, ob es sich bei dieser Erbinformation um Proteine oder um Nukleinsäuren handelte.
AVERY-Versuch: Damit hatte AVERY nachgewiesen, dass Nukleinsäuren für die Übertragung der Erbinformation verantwortlich sind und nicht Proteine. |
Externe Links:
Den Original-Artikel von Oswald T. Avery, Colin M. MacLeod und Maclyn McCarty gibt es hier. |
Der HERSHEY-CHASE-VersuchDer in den 1952 Jahren von Alfred HERSHEY und Martha CHASE durchgeführte Versuch (Abbildung rechts) mit Bakteriophagen bestätigte dann aber die Erkenntnis, dass die DNA der Träger der Erbinformation ist, auf recht eindrucksvolle Weise. Damit war nachgewiesen, dass nur die DNA-Komponente der Phagen in die Bakterienzellen eingedrungen ist. Die Proteinkomponente verblieb auf der Zellwand der Bakterien. Also kann die genetische Information für den Aufbau neuer Phagen nur auf der DNA gespeichert gewesen sein. |
![]() |

(C) Ulrich Helmich, Juni 2008