Helmichs Biologie-Lexikon

Reaktionsnorm

Der Phänotyp eines Lebewesens hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab, der genetischen Ausstattung (dem Genotyp), und der Einwirkung der verschiedenen Umweltfaktoren.

Allerdings setzt sich der Phänotyp aus einer ganzen Reihe verschiedener Merkmale zusammen, beim Menschen zum Beispiel Hautfarbe, Augenfarbe, Körpergröße, Körpergewicht, um nur vier zu nennen. Einige dieser Merkmale hängen sehr stark von Umweltfaktoren ab, andere dagegen nicht. Die Hautfarbe ist beispielsweise genetisch vorgegeben, kann aber durch UV-Strahlung sehr stark variiert werden. Die Augenfarbe dagegen unterliegt so gut wie keinen Umwelteinflüssen, ebenso wenig die Körpergröße, während das Körpergewicht sehr stark von der Umwelt bestimmt wird, nämlich in Form von Ernährungsgewohnheiten, die man sich angeeignet hat.

Die Reaktionsnorm ist nun ein Fachbegriff für diesen Zusammenhang zwischen Gentyp und Umweltfaktoren. Die Reaktionsnorm wird vererbt und gibt vor, wie stark ein bestimmtes Merkmal durch Umweltfaktoren geprägt werden kann. Bei einer engen Reaktionsnorm hat die Umwelt keinen großen Einfluss auf das Merkmal, bei einer weiten Reaktionsnorm können Umweltfaktoren große phänotypische Variationen hervorrufen.

Interessant an der Sache ist nun, dass die Reaktionsnorm selbst wieder genetischen Variationen unterliegt. Bei manchen Menschen ändert sich die Hautfarbe bei UV-Bestrahlung nur sehr wenig, andere Menschen dagegen werden bei UV-Bestrahlung sehr viel dunkler. Hier liegt also einmal eine recht enge, im anderen Fall eine recht weite Reaktionsnorm vor. Die Reaktionsnorm ist also vererbbar. Der Phänotyp dagegen nicht, er hängt von der Reaktionsnorm und den Umweltfaktoren ab.


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(C) Ulrich Helmich, Februar 2009





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