Der Text auf dieser Seite bezieht sich auf den Foliensatz Benzol und aromatischer Charakter, den Sie bei Interesse bei mir erhalten können.
Die C-C-Bindung im Benzol ist weder eine C-C-Einfachbindung noch eine C-C-Doppelbindung, sondern eine Misch- oder Zwischenform. Die Oszillationshypothese von KEKULÉ trifft nicht zu.
Wie sieht nun die moderne Hypothese aus, auf die man sich geeinigt hat?
Die C-C-Bindungen im Benzol-Molekül sind gleichzeitig Einfachbindungen und Doppelbindungen. |
Da die C-C-Bindungen keine C=C-Doppelbindungen sind, können sie auch nicht von elektrophilen Teilchen wie Br2 angegriffen werden.

Die Abbildung oben zeigt zwei Skizzen des Benzol-Moleküls nach der modernen Hypothese. Das äußere Sechseck verbindet die sechs C-Atome des Benzolrings miteinander. Die sechs Linien symbolisieren den Einfachbindungs-Anteil der sechs C-C-Bindungen.
Eine C=C-Doppelbindung besteht bekanntlich aus einer C-C-Einfachbindung, die dann als sigma-Bindung bezeichnet wird, und einer wesentlich schwächeren pi-Bindung. Den Unterschied zwischen sigma- und pi-Bindungen kann das Kugelwolkenmodell leider nicht erklären, dazu benötigen wir das Orbitalmodell, auf das aber erst später eingegangen wird. Auf jedenfall sind für die schwache pi-Bindung ebenfalls zwei Bindungselektronen verantwortlich, die dann als pi-Elektronen bezeichnet werden. Somit sind insgesamt vier Elektronen an einer normalen C=C-Doppelbindung beteiligt, zwei sigma- und zwei pi-Elektronen.
Die sigma-Elektronen des Benzol-Moleküls sind lokalisierte Elektronen, sie befinden sich genau zwischen jeweils zwei Kohlenstoff-Atomen. Die durchgezogenen Linien der beiden Strukturformeln symbolisieren diese sima-Elektronen. Die pi-Elektronen sind aber delokalisiert. Das heißt, ihr genauer Aufenthaltsort ist nicht eindeutig festgelegt. Jedes der insgesamt 6 pi-Elektronen (3 hypothetische Doppelbindungen) kann sich im gesamten Sechseck aufhalten.
Das Ganze, was ich eben ausgeführt habe, ist sicherlich schwer zu verstehen, vor allem, wenn man das Orbitalmodell des Atoms nicht kennt. Aus diesem Grunde ist es durchaus sinnvoll, sich mit eben diesem Modell etwas näher zu beschäftigen, bevor wir mit der Struktur des Benzol-Moleküls weitermachen. Allerdings wollen wir diesen "Exkurs" (der recht umfangreich wird) auf eine Extra-Seite auslagern.

(C) Ulrich Helmich, August 2009
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