22 Fragen an Herrn Helmich von seinem Biologie-Leistungskurs 2000

Mit einigen neuen Nachträgen (Oktober 2001) und neuen Bildern

Bereiten Sie Ihren Unterricht jedesmal vor?
Das ist eigentlich nicht notwendig; die meisten Stunden habe ich „in der Schublade“ liegen, meistens in Form von Foliensätzen und Arbeitsblättern. Wichtig ist vielmehr, dass die Schüler den Unterricht jedesmal vorbereiten.

Oktober 2001:
Neuerdings gehe ich in Biologie aber streng nach Buch vor. Am Anfang dachte ich, dass das weniger Arbeit macht. Aber dann habe ich festgestellt, dass meine ganzen Folien und Arbeitsblätter nicht mehr passten, also bin ich jetzt dabei, lauter neue Unterrichtsmaterialien zu erstellen....

Können Sie behaupten, dass Sie unseren Kurs mögen, oder anders ausgedrückt, freuen Sie sich, bevor Sie unseren Kursraum betreten?
Das Unterrichten in der Oberstufe macht mir grundsätzlich Spaß, sonst wäre ich wohl nicht SII-Lehrer geworden. Biologie macht mir ebenfalls Spaß, sonst hätte ich wohl nicht Biologie studiert. Das Unterrichten im LK Biologie macht mir am meisten Spaß (und Arbeit), denn hier kann ich das, was ich im Studium gelernt habe, am besten anwenden.
Meinen jetzigen Leistungskurs mag ich, wie auch meine vorhergehenden, sehr gerne, was ich am besten mit einem Zitat aus „Der Herr der Ringe, Teil 1“ verdeutlichen kann:

„Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient. Das war unerwartet und gar nicht so einfach zu verstehen. Vereinzelt wurde geklatscht, aber die meisten versuchten erst einmal dahinterzukommen, ob es eigentlich als Kompliment gemeint war“.

Ich meine es als Kompliment!

Wie halten Sie‘s mit der Entropie?
Es macht mich immer wieder persönlich betroffen, dass die Entropie des Universums in 10 oder 20 Milliarden Jahren einen maximalen Wert erreicht hat, so dass sich alle Sonnen, Planeten, Galaxien etc. gleichmäßig als Staub oder Schlimmeres über das Universum verteilt haben. Was wird dann bloß aus unserem Kurs?
Bezogen auf mein Arbeitszimmer versuche ich mit einem minimalen Aufwand an Energie eine maximale Entropie zu erhalten - oder war‘s umgekehrt?

Oktober 2001:
Ich bin noch beunruhigter, denn jetzt dauert es nur noch 19 Milliarden, 999 Millionen, 999.999 Jahre, bis die Entropie des Universums einen maximalen Wert erreicht hat.

Wieviele Mützen haben Sie?
Drei - eine hellgraue, die ich dann aufsetze, wenn ich die dunkelgraue nicht wiederfinden kann, und eine schwarze, die ich dann aufsetze, wenn ich die hellgraue nicht finde.

Oktober 2001:
Jetzt habe ich nur noch zwei Mützen. Die dunkelgraue habe ich verloren.

Wir haben viel von Ihnen gelernt, aber haben Sie auch was von uns gelernt? Und wenn ja, was?
Erstmal Dankeschön für das Kompliment. Meistens bekommt man als Lehrer ja keine Rückmeldung über die Arbeit, die man geleistet hat. Ich habe sicherlich auch viel bei Ihnen gelernt, was ich jetzt nicht alles aufzählen kann. Aber zwei Sachen fallen mir spontan ein:
Empfehle keinem Schüler ein bestimmtes Fachbuch - nachher kauft er es sich tatsächlich und stellt dann auch noch entsprechende Fragen, die man dann natürlich nicht beantworten kann, weil man es selber nicht gelesen hat. Empfehle auch keinem Schüler eine Fachzeitschrift. Die wird dann tatsächlich gelesen, und man selbst muss dann auch jede Ausgabe lesen.
Also, was ich gelernt habe - wenn ich meinen Unterricht richtig vorbereite und richtig viel Arbeit investiere, so habe ich auch eine ganze Reihe von Schülern, die den Unterricht ebenfalls vorbereiten und viel Arbeit investieren. Und dann macht das Ganze richtig Spaß!

Wurden Sie in Ihrer Schulzeit jemals beim Spicken erwischt?

Da kann ich ganz ehrlich antworten: erwischt wurde ich nie - weil ich nie gespickt habe. Ich habe die Spickzettel auswendig gelernt und brauchte sie dann nicht mehr. Das würde ich Ihnen übrigens auch empfehlen.


Welche ökologische Nische bewohnen Sie?
Das muss ich mal aufzeichnen:


Welches Tier ist Ihrer Meinung nach mit Ihnen artverwandt?
Das sieht man doch, wenn man die Abbildung meiner ökologischen Nische betrachtet: der Norddeutsche Schokoladenbär ! Der heißt so, weil er immer viel Schokolade benötigt.

Was halten Sie von Talkshows?
Wenn mir mal so richtig schlecht ist, und das Brechmittel nicht wirkt, das mir der Arzt verschrieben hat, dann schaue ich mir eine Talkshow an!

Oktober 2001:
Talkshows finde ich immer noch zum K...., aber Barbara Salesch gucke ich sehr gern. Da geht es so furchtbar gerecht zu.


Was wäre Ihr Traumberuf?
Bio-Lehrer, aber mit doppeltem Gehalt!

Wie lauten die Abituraufgaben?
Welche Abituraufgaben? Du meine Güte - Sie schreiben ja demnächst Abitur - wie die Zeit doch vergeht! Herrje, was stelle ich denn bloß für Aufgaben? Sollte ich mir vielleicht langsam mal ausdenken! Vielen Dank für den Hinweis!

Nachtrag 10.6.2000

Jetzt wissen Sie ja, wie die Abituraufgaben gelautet (oder heißt es: geläutet?) haben.


Was machen Sie bei Korrekturfrust?
Sofort aufhören! Gitarre greifen, Verstärker auf 10 (Britische Einstellung) und dann loslegen. Oder Berichte wie diesen hier schreiben.

Oktober 2001:
Dass ich jetzt hier was ergänze, liegt nicht daran, dass ich Korrekturfrust habe!

Wie heißt Ihr größtes Idol?
Keine Ahnung, vielleicht Billy Idol?

Nachtrag 10.6.2000

Zugegeben, mit dieser Antwort können Sie nicht viel anfangen. Meine Lieblings-Rockstars sind - in der Reihenfolge, wie sie mir einfallen - John Fogerty, Neil Young, Ry Cooder, John Mellencamp, Heather Nova und so in der Art - amerikanische Songwriter(innen) eben.


Haben Sie einen Computer im Schlafzimmer?
Da muss ich mal überlegen. Einen Computer im Schlafzimmer? Nein, ich glaube, da ist noch keiner. Aber morgen schau ich noch mal genauer nach.

Nachtrag 10.6.2000

In meinem Schlafzimmer ist immer noch kein Computer aufgetaucht. Noch bringe ich sie alle im Arbeitszimmer unter.

Nachtrag 27.10.2001

Noch immer ist in meinem Schlafzimmer kein Computer aufgetaucht. Aber in meinem Arbeitszimmer stehen inzwischen:

1 Fileserver
1 Windows-Rechner für Internet-Sachen, Programmieren etc.
1 Apple Macintosh G3 zum Arbeiten
1 Apple Macintosh Performa 6400 zum Arbeiten
1 Apple Macintosh Powerbook 1400 als Notebook, damit ich auch im Schlafzimmer arbeiten kann (oder im Garten, im Urlaub etc.)
1 alter 486er Windows-Rechner, wofür ich den eigentlich noch habe, weiß ich auch nicht. Aber zum Wegwerfen ist er mir zu schade.

 

Würden Sie sich mit dem Kurs 100 Tage in ein Haus wie bei "Big Brother" einsperren lassen?
Kommt darauf an - in den Ferien bestimmt nicht; in der Schulzeit - warum nicht?
Ich würde dann einfach mit dem Biologieunterricht weitermachen, vielleicht mit so interessanten Themen wie "Sozialökonomische Probleme russischer Milchbauern" oder "Genetische Überkreuzanalysen südwestdeutscher Ritterspornarten" und dadurch alle Schüler vergraulen, so dass ich bis zuletzt überbliebe.

Beurteilen Sie die heutige Mensch-Computer-Beziehung unter den uns bekannten Gesichtspunkten der Evolutionsprozesse

Die Beziehung zwischen Mensch und Computer wird immer enger werden. Bereits heute gibt es "anziehbare" Computer, die in Gürtelschnallen oder Mützen hausen und den Menschen mit wertvollen Informationen versorgen, z.B. wo sich die nächste Pizzeria in der fremden Stadt befindet. Es gibt auch schon erste Ansätze für künstliche Sinnesorgane. So hat man jetzt Hörgeräte entwickelt, die direkt mit dem Gehirn verbunden sind. Auch für Blinde tut sich langsam etwas, in nächster Zukunft wird man künstliche Augen herstellen können, mit denen man dann ca. 320 x 200 Pixel in 16 Farben sehen kann.
Ich persönlich hoffe, dass endlich ein externer Speicher für das Gehirn entwickelt wird, damit ich die Namen meiner Schüler und meine Termine besser unterbringen kann. Auch eine computergestützte unauffällige, in die Netzhaut implantierte Sehhilfe mit integriertem Röntgenblick wäre nicht schlecht, damit ich bei Klausuren die stark verkleinerten Linderseiten unter den Tischen sehen kann. Natürlich wäre auch ein zusätzlicher Gehirn-Prozessor zur Steigerung der Intelligenz nicht schlecht. Vielleicht verstehe ich dann einmal die Fragen meiner Schüler (siehe nächste Frage).
So, nun noch eine kleine private Zukunftsprognose: Irgendwann in 100 Jahren werden die Menschen entweder derart computerisiert sein, dass man zwischen Mensch und Maschine nicht mehr unterscheiden kann, oder die Menschheit verfällt ins andere Extrem und verbietet alle Computer (siehe auch übernächste Frage).

Was ist Ihnen peinlich im Unterrichtsgeschehen?
Wenn die Schüler Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann, aber eigentlich beantworten können sollte. Und wenn man noch die Krümel vom letzten Schweineöhrchen auf meinem Pullover sieht.

Oktober 2001:
Sie hatten mir ja diesen tollen Schweineöhrchen-Gutschein geschenkt. Könnten Sie mir nicht mal einen neuen schicken? Die alten habe ich alle aufgegessen!

Was wäre für Sie ein Leben ohne Computer?
Wahrscheinlich ein besseres Leben. Oh, was hätte ich dann wieder für eine riesige Arbeitsfläche in meinem Arbeitszimmer. Was würde ich für Geld sparen! Bei meinen vielen Computern fällt doch jeden Monat mindestens ein Teil für 100 bis 400 DM aus und muss ersetzt werden. Was würde ich für Zeit sparen! Ich könnte dann meine Folien einfach wieder mit Folienstiften malen und wäre nach einer Stunde fertig, während ich jetzt an den Folie feile und tüftele, damit sie wirklich ganz doll aussieht, dann noch diesen Effekt und dann wieder jenen einbaue, damit die Schüler ordentlich beeindruckt sind. Und ehe ich mich versehe, ist es schon wieder 18 Uhr geworden.
Und ein Leben ohne Computer hieße ja auch: ein Leben ohne Windows-Rechner! Das wäre doch super!

Welche Beziehung haben Sie als Biologe zu Tieren?
Ich mag Tiere, vor allem Säugetiere, besonders Katzen. Haustiere in größerem Umfang haben wir nicht, nur ein Kaninchen, das immer gestreichelt werden will.

Wer sind ihre ökologischen Konkurrenten?
Die Schüler und Kollegen, die mir im Kiosk immer die Schweineöhrchen wegessen!

Wer ist eigentlich dieser Charles Darwin, von dem Sie dauernd was erzählen, seit wir Evolutionsbiologie haben?
Keine Ahnung, wahrscheinlich irgend so ein Evolutionsbiologe. Hat - glaube ich - die Theorie entwickelt, dass jedes Tier den angeborenen Drang hat, den Giraffen die Hälse lang zu ziehen.

Nachtrag 10.6.2000

Seit einiger Zeit scheint sich die Meinung durchzusetzen, dass Charles Darwin irgendwelche Hinweise auf eine langsame Evolution der Lebewesen gesammelt hat, als er über viele Jahre als blinder Passagier auf einem Kohlendampfer eingesperrt war.


Was ist der Sinn des Lebens?
42!

Nachtrag 10.6.2000

Wenn Sie den Sinn dieser Antwort nicht verstehen, lesen Sie bitte die 5 Bände der Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis".