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Vererbung der Blutgruppen: Rhesus-System

Das Rhesus-System

Neben den A- und B-Antigenen existieren viele weitere Glycolipide und Glycoproteine in der Membran der Erythrocyten, von denen aber nur eine begrenzte Anzahl eine medizinische Rolle spielen. Das D-Antigen spielt eine solche Rolle. Ursprünglich wurde das D-Antigen im Blut von Rhesusaffen gefunden (1940 durch Karl Landsteiner und Alexander Solomon Wiener), daher spricht man auch vom Rhesus-Faktor oder vom Rhesus-System.

Die 8 Blutgruppen ABO und Rh+ bzw. Rh-

Die acht Blutgruppen

Im Blut eines Menschen existieren D-Antikörper (im Bild violett dargestellt), welche Erythrocyten angreifen, in deren Zellmembran D-Antigene vorhanden sind (ebenfalls violett dargestllt). Da bereits wenige D-Antigene in der Erythrocytenmembran für einen solchen Angriff ausreichen, ist das D-Allel, das für das D-Antigen verantwortlich ist, dominant.

Menschen mit dem Genotyp DD oder Dd werden daher als rhesus-positiv bezeichnet, Menschen mit dem Genotyp dd dagegen als rhesus-negativ. Rhesus-negative Menschen haben überhaupt keine D-Antigene auf ihren roten Blutkörperchen. In Mitteleuropa sind übrigens ca. 80 bis 85% der Bevölkerung rhesus-positiv.

Rhesus-Inkompatibilität

Blut der Blutgruppe A+ wird mit Plasma der Blutgruppe A- gemischt

Blut der Blutgruppe A+ wird mit Plasma der Blutgruppe A- gemischt

Die Abbildung oben zeigt, was passiert, wenn Blut der Blutgruppe A+ mit Plasma der Blutgruppe A- gemischt wird. Die Rhesus-Antikörper setzen sich an die Rhesus-Antigene in der Erythrocytenmembran des A+-Blutes.

Probleme bei einer Schwangerschaft

Angenommen, die Mutter gehört zu den wenigen Personen, die rhesus-negativ (rh-) sind, und der Vater des Kindes ist rhesus-positiv(rh+).

Kreuzungsschema Dd x dd

Ein rhesus-positiver Vater und eine rhesus-negative Mutter können rh+ - und rh- - Kinder bekommen

Weiter angenommen, das erste Kind dieser Eltern ist rhesus-positiv. Das heißt, die Erythrocyten des Fetus besitzen D-Antigene. Normalerweise kommt das Blut der Mutter nicht in Berührung mit dem fetalen Blut, weil die beiden Blutkreisläufe getrennt sind. Bei der Geburt kommt es aber häufig zu Verletzungen, bei denen Blut des Kindes in den Blutkreislauf der Mutter gelangt. Im Blutplasma der Mutter bilden sich daraufhin - als Abwehrreaktion - Antikörper gegen die D-Antigene. Das ist auch nicht weiter schlimm. Nur wenn die Mutter jetzt ein zweites Mal schwanger wird und wieder ein rhesus-positives Kind austrägt, dann befinden sich schon Anti-D-Antikörper in ihrem Blut (Immungedächtnis!). Wenn diese nun während der Schwangerschaft in den Blutkreislauf des Fetus übertreten, was durchaus passieren kann, kann das zu schweren Schädigungen des Fetus führen (Einzelheiten siehe "Rhesus-Inkompatibilität" in der Wikipedia).

Durch rechtzeitigen Vorsorgeuntersuchungen (Blutgruppenbestimmung) und Vorbeugemaßnahmen (Gabe von Anti-D-Immunglobulin) kann das Risiko für das rhesus-positive Kind aber minimiert werden.

Interne Links:

Das ABo-System

Externe Links:

Erythrocyten (Wikipedia)

Rhesus-Inkompatibilität (Wikipedia)