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von Ulrich Helmich (www.u-helmich.de) Im Tierreich haben sich im Laufe der Evolution zwei völlig unterschiedliche Mechanismen entwickelt, mit denen Tiere ihre Körpertemperatur regulieren: Ektothermie und Endothermie. Bevor ich auf diese beiden Mechanismen eingehe, möchte ich einen anderen wichtigen Punkt thematisieren. Warum ist es überhaupt notwendig, die Körpertemperatur zu regulieren? Notwendigkeit der Regulation:Eine Regulation der Körpertemperatur ist notwendig, weil die meisten Enzyme ein bestimmtes Temperaturoptimum haben. Das liegt einfach am chemischen Aufbau der Enzyme, an der Struktur des aktiven Zentrums und am Schlüssel-Schloss-Prinzip, nach dem das Substrat, welches durch das Enzym umgesetzt werden soll, exakt in das aktive Zentrum passen muss (wie der Schlüssel ins Schloss). Weicht die Körpertemperatur zu stark von diesem Temperaturoptimum ab, so ändert sich die Struktur des Enzyms und damit auch die Struktur des aktiven Zentrums. Das Enzym arbeitet langsamer, im Extremfall gar nicht mehr. Liegt die Körpertemperatur unter dem Temperaturoptimum des Enzyms, so verändert sich nicht nur die Struktur des aktiven Zentrums, sondern wegen der RGT-Regel laufen alle chemischen Prozesse grundsätzlich langsamer ab. Liegt die Körpertemperatur dagegen über dem Temperaturoptimum, so beschleunigt das zunächst die Tätigkeit des Enzyms (RGT-Regel). Mit dem Ansteigen der Temperatur beginnen die Enzyme aber zu denaturieren, dadurch wird die Beschleunigung durch die RGT-Regel aufgehoben. Bei zu hohen Temperaturen können die Enzyme gar nicht mehr arbeiten, weil sie vollständig denaturiert sind. Aus diesen Gründen ergibt sich die Notwendigkeit der Regulation der Körpertemperatur. Nach diesen Vorbemerkungen möchte ich auf die beiden Mechanismen eingehen, mit denen Tiere ihre Körpertemperatur regulieren, die Endothermie und die Ektothermie. EndothermieEndotherme Tiere sind die Säugetiere und die Vögel. Meistens bezeichnet man diese Tiere als "gleichwarm" oder "homoiotherm". Endothermie und Homoiothermie sind aber nicht unbedingt identische Begriffe. Mit dem Begriff "Endothermie" oder "endotherm" bezeichnet man die Tatsache, dass solche Tiere die benötigte Wärme mit Hilfe von Stoffwechselprozessen "von innen heraus" produzieren. Mit dem Begriff "Homoiothermie" oder "gleichwarm" betont man dagegen die Tatsache, dass endotherme Tiere ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur auf einem konstanten Niveau halten können, der Mensch beispielsweise auf ca. 36 bis 37 ºC. Endothermie ist also die Ursache für Homoiothermie, ohne körpereigene Produktion von Wärme könnten Säugetiere und Vögel ihre Körpertemperatur nicht unabhängig von der Außentemperatur aufrecht erhalten. EktothermieEktotherme Tiere sind alle Tiere außer den Säugetieren und den Vögeln. Diese Tiere sind auf die Zufuhr der Wärme von außen angewiesen. Reptilien legen sich morgens beispielsweise gern in die Sonne, um Wärme zu "tanken". Kosten-Nutzen-ÜberlegungenVorteile der EndothermieEndotherme Tiere sind weitgehend unabhängig von äußeren Wärmequellen, was es ihnen erlaubt, nachts, in kalten Jahreszeiten oder in kalten Regionen zu überleben. Sie können also ökologische Nischen erschließen, die anderen Tieren verschlossen bleiben. Nachteile der EndothermieDamit endotherme Tiere ihre eigene Körperwärme produzieren können, müssen sie sehr viel Nahrung aufnehmen. In kalten Gegenden oder zu kalten Jahreszeiten werden nämlich fast 90% der Nährstoffe für die Produktion von Körperwärme gebraucht, nur die restlichen 10% können in Wachstum, Fortpflanzung etc. investiert werden. Irgend ein Wissenschaftler (leider weiß ich die Quelle nicht mehr) hat mal ausgerechnet, dass ein 300 g schweres endothermes Tier 17 mal mehr Nahrung zum Überleben benötigt als ein gleich schweres ektothermes Tier. Vorteile der EktothermieEktotherme Tiere kommen mit wesentlich weniger Nahrung aus als endotherme Tiere, entsprechend brauchen sie auch weniger Wasser, das ja zum großen Teil für die Verdauung der Nahrung benötigt wird. Sie können daher Gegenden besiedeln, wo das Nahrungs- und Wasserangebot recht knapp ist. Da sie nicht so viel fressen müssen wie gleichschwere endotherme Tiere, können sie mehr Zeit und Energie in Wachstum und Fortpflanzung investieren. Wer nicht ständig auf Nahrungssuche ist, wird auch nicht so leicht von Räubern gefressen; ein weiterer Vorteil der Ektothermie. Nachteile der EktothermieDa ektotherme Tiere auf die Wärmezufuhr von außen angewiesen sind, bleiben ihnen kalte Regionen verschlossen. Eine Vielzahl ökologischer Nischen kann von ihnen nicht besiedelt werden. |
Die Begriffe Ektothermie und Endothermie sind von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Temperaturregulation bei den Tieren. Abgesehen davon ist das Thema äußerst abiturrelevant, zumindest in NRW. Ich möchte an dieser Stelle auf den tollen Unterrichtsentwurf von I. Thomaschewski hinweisen, der auf diesen Seiten als Gastbeitrag zur Verfügung steht. Herzlichen Dank, Frau Thomaschewski! |
Zusammenfassung:In der Evolution haben sich zwei Mechanismen zur Regulation der Körpertemperatur durchgesetzt, Ektothermie und Endothermie. Bei der Ektothermie muss die notwendige Wärme von außen zugeführt werden, beispielsweise durch Sonnenstrahlung. Bei der Endothermie wird die benötigte Wärme durch Stoffwechselprozesse selbst produziert. Beide Mechanismen sind mit Vor- und Nachteilen verbunden. Ektotherme Tiere müssen weniger Nahrung zu sich nehmen, können aber kalte Gegenden so gut wie nicht besiedeln. Endotherme Tiere müssen sehr viel Nahrung zu sich nehmen und verlieren dabei sehr viel Zeit, können dafür aber ökologische Nischen in sehr kalten Gegenden erschließen. |
Weitere Seiten zum Thema "Umweltfaktor Temperatur" würde ich gerne erstellen, habe aber im Augenblick (März 2012) keine Zeit dafür. Meine Biologie-Grundkurse der Stufen Q1 und 12 sind inzwischen mitten in der Demökologie, bald fangen wir sogar mit der Synökologie an. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr, wenn ich wieder einen oder mehrere Biologiekurse in dieser Stufe bekommen sollte. |
(C) Ulrich Helmich, März 2012